Die GWG Lauchhammer eG beim Tag der Baukultur Brandenburg – Lauchhammer Wagnereck

Am 30. Mai 2026 fand in Brandenburg erneut der Tag der Baukultur statt. Er wurde durch Minister Robert Crumbach (MIL), BBIK-Präsident Matthias Krebs, Bürgermeister Mirko Buhr und Vorstand der GWG Jörg Gärtner in Lauchhammer eröffnet. Der landesweite Aktionstag, organisiert von der Brandenburgischen Ingenieurkammer mit Unterstützung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung, stand unter dem Leitgedanken, Baukultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt standen Projekte, die zeigen, wie eng Architektur, Stadtentwicklung, Geschichte, Nachhaltigkeit und Lebensqualität miteinander verbunden sind. Landesweit öffneten Gebäude, Quartiere und Initiativen ihre Türen. Auch in Lauchhammer beteiligte sich die GWG Lauchhammer mit dem Wagnereck ein Projekt, das beispielhaft für die qualitätsvolle Weiterentwicklung von Bestandsbauten in einer vom Wandel geprägten Stadt steht.

Das Wagnereck in der Richard-Wagner-Straße 6–14a ist ein stadtbildprägendes Wohngebäude der Lauchhammeraner Neustadt I und stammt aus der Zeit um 1950. Über Jahre stand das Gebäude leer und war zunehmend vom Verfall bedroht. Gerade weil es sich um ein markantes Ensemble der Nachkriegszeit handelt, kam seiner Erhaltung eine besondere Bedeutung zu. Die Stadt Lauchhammer lobte deshalb einen Architektenwettbewerb aus, um eine tragfähige Zukunft für das Objekt und sein Umfeld zu entwickeln. Auf Grundlage des Siegerentwurfs des Büros 3PO Bopst Melan Architekten wurde das Gebäude durch die GenerationsWohnungsgenossenschaft Lauchhammer eG schrittweise zu modernem Wohnraum umgebaut.

Kennzeichnend für die Sanierung war der behutsame Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz. Ziel der Planung war es, den ursprünglichen Charakter des Hauses zu bewahren und zugleich den Wohnwert spürbar zu erhöhen. Dies geschah insbesondere durch die Ergänzung einer durchgehenden Balkon- und Wintergartenzone, die den Wohnungen zusätzliche Aufenthaltsqualität verleiht. Auch die Straßenfassade wurde in Anlehnung an die historischen Gestaltungselemente neu interpretiert. Besondere Schiebeelemente greifen die Tradition des Metallgusses auf, für den Lauchhammer bekannt ist, und verbinden damit architektonische Erneuerung mit lokaler Identität. Im Ergebnis entstanden 38 geförderte Wohnungen unterschiedlicher Größe, die ein zeitgemäßes und zugleich sozial orientiertes Wohnangebot schaffen.

Zum Tag der Baukultur wurde das Wagnereck als Ort des direkten Austauschs erlebbar. Besucherinnen und Besucher konnten das sanierte Gebäude im Rahmen von Führungen besichtigen und sich über die Entwicklung des Projekts informieren. Dabei ging es nicht nur um bauliche Details, sondern auch um den gesamten Prozess von der ersten Idee über den Wettbewerb bis hin zur nahezu abgeschlossenen Umsetzung. Gerade diese Offenheit machte den Reiz der Veranstaltung aus: Das Projekt wurde nicht allein als fertiges Bauwerk vorgestellt, sondern als Ergebnis eines längeren planerischen, gestalterischen und wohnungspolitischen Prozesses. Damit wurde nachvollziehbar, wie Baukultur konkret entsteht – nämlich im Zusammenspiel von öffentlichem Interesse, fachlicher Planung, kommunaler Initiative und genossenschaftlichem Engagement.

Der Beitrag des Wagnerecks zum Tag der Baukultur zeigt deutlich, dass Baukultur weit mehr ist als die Errichtung spektakulärer Neubauten. Sie zeigt sich gerade auch dort, wo vorhandene Gebäude mit Sorgfalt weitergebaut, historische Strukturen respektiert und neue Nutzungen ermöglicht werden. Für Lauchhammer hat das Projekt deshalb eine besondere Signalwirkung. In einer Stadt, die wie viele Orte in der Lausitz von industrieller Geschichte, Strukturwandel und demografischen Veränderungen geprägt ist, setzt die Sanierung des Wagnerecks ein sichtbares Zeichen für Erneuerung und Beständigkeit zugleich. Das Gebäude wird nicht nur baulich gesichert, sondern in seiner Funktion als Wohnort und identitätsstiftender Bestandteil des Quartiers neu aktiviert.

Zugleich verweist das Projekt über den einzelnen Standort hinaus auf zentrale Fragen der Baukultur in Brandenburg: Wie kann Bestand sinnvoll weiterentwickelt werden? Wie lässt sich bezahlbarer und attraktiver Wohnraum schaffen, ohne die Geschichte eines Ortes auszulöschen? Und wie kann Architektur dazu beitragen, dass Menschen sich mit ihrem Wohnumfeld identifizieren? Das Wagnereck gibt auf diese Fragen eine überzeugende Antwort. Es verbindet Sanierung, Gestaltung, soziale Verantwortung und Ortsbezug zu einem Projekt, das beispielhaft für eine zukunftsgerichtete Umbaukultur steht. Der Tag der Baukultur bot damit in Lauchhammer nicht nur eine Besichtigung, sondern auch einen anschaulichen Beitrag zur Debatte über die Zukunft des Bauens im Bestand.